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  • Dr. med. Bodo Pisarsky
  • Dipl. Psych. Julia Bellabarba
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Fragen & Antworten

Sind neben Stimulanzien (Ritalin/Medikinet/Equasym/Concerta) weitere therapeutische Maßnahmen notwendig?

Vor der Behandlung mit Medikamenten sollten ausführliche Aufklärungsgespräche über das Krankheitsbild mit dem Kind, den Eltern, den Lehrern und weiteren Bezugspersonen erfolgen. Parallel zur Stimulanzienbehandlung kommen je nach Indikation folgende Angebote zum Einsatz:

  • beim Kind Verhaltenstherapie und pädagogische Verfahren, sowie gezielte Förderungen im Bereich möglicher Teilleistungsstörungen oder sozialer Defizite,
  • bei den Eltern Elterntraining und Selbsthilfegruppen
  • bei den Lehrern begleitende Beratungsgespräche

Eine Kombination der Maßnahmen verbessert im Vergleich zur alleinigen Anwendung einzelner Therapieformen die Langzeitprognose für die emotional-soziale Gesamtentwicklung der betroffenen Kinder.

Müssen alle Kinder, bei denen ein ADHS festgestellt wird, Medikamente bekommen?

Nein. Auf jeden Fall sollte die Entscheidung, ein Medikament zu geben, von den sorgeberechtigten Eltern und dem Arzt gemeinsam getroffen werden.Wenn die Diagnosestellung eines ADHS erfolgt ist, wird die Indikation für eine Stimulanzientherapie individuell je nach Schweregrad der Störung gestellt. Beurteilt werden:

  • Ausprägung der Aufmerksamkeits- und Aktivitätsstörung
  • hierdurch bedingte Beeinträchtigungen der schulischen Leistungsfähigkeit
  • hierdurch bedingte Beeinträchtigungen in bezug auf soziale Integration, impulsiv aggressive Verhaltensweisen, unkontrollierte emotionale Reaktionen, Risikoverhalten.

Wie wirken Stimulanzien (Ritalin/Medikinet/Equasym/Concerta)?

Bei Ritalin/Medikinet/Equasym/Concerta handelt es sich um ein stimulierendes Medikament. Es verstärkt aber nicht – wie man aus dieser Bezeichnung schließen könnte – die Unruhe der Kinder, sondern bewirkt durch eine Verbesserung der Aufmerksamkeitsleistungen und der Reizorganisation eine verbesserte Steuerung des Verhaltens. Die Kinder werden durch das Medikament also weder ,,aufgeputscht“ noch ,,ruhiggestellt“. Stimulanzien wirken auf das Katecholamin- und Serotoninsystem. Sie erhöhen z.B., die Ausschüttung von Dopamin im Frontalhirn und aktivieren das zentrale Nervensystem. Hierdurch wird eine Stabilisierung der Filterfunktion des Gehirns und eine bessere Informationsverarbeitung bewirkt. Reize können besser gewichtet (ggf. auch gehemmt) und dann kanalisiert werden, damit keine Reizüberflutung eintritt. Hierdurch wird die Aufmerksamkeit verbessert, die Ablenkbarkeit reduziert, Impulsivität und Unruhe abgeschwächt und gezieltes Handeln möglich.

Wie entsteht ADHS?

Das weiß keiner so genau. Man spricht von einer multikausalen Genese, d.h. ADHS wird von verschiedenen Faktoren begünstigt. Zu den Ursachen zählen genetische, allergologische und psychosoziale Faktoren.  Eine Vielzahl wissenschaftlicher Untersuchungen unterstützen darüberhinaus die Theorie, dass ADHS eine Erkrankung ist, die mit neurobiologischen Funktionsstörungen einhergeht bzw. sogar von diesen verursacht wird. Hierbei handelt es sich um ,,Fehlregulierungen“ der chemischen Überträgerstoffe des Gehirns (Dopamin, Noradrenalin, Serotonin), welche das Aktivitätsniveau verschiedener Hirnregionen, Filterfunktionen des Gehirns und Aufmerksamkeitsprozesse modulieren.

Wird mein Kind durch die Abklärung (Tests) noch zusätzlich belastet?

Die Leistungstests machen den meisten Kindern Spass, sie werden durch die Psychologinnen ermutigt und bestätigt und sie lösen die Aufgaben, die ihrem Alters- und Fähigkeitsniveau entsprechen. Die projektiven Verfahren erleben die Kinder eher wie eine Spielsituation (malen, Szenen mit Puppen und Tieren bauen). Die gesamte testpsychologische Untersuchung erfolgt immer durch die selbe Person, und den meisten Kindern, auch wenn sie ängstlich sind, ist „ihre“ Psychologin nach dem ersten Termin vertraut und sie kommen gerne in die Praxis.

Was wird bei der Diagnostik genau gemacht?

Zu einer fundierten kinder- und jugendpsychiatrischen Abklärung gehören:

  • Angaben der Bezugspersonen (Eltern, Lehrer, Erzieherinnen)  über die Entwicklung und über die aktuelle Situation der Familie
  • eine neurologische Untersuchung des Kindes
  • Entwicklungs- und Leistungsdiagostik (ein Intelligenztest,  der das Stärken- und Schwächenprofil des Kindes ermittelt)
  • Projektive Verfahren (Tests, die Aufschluß über die  innere Befindlichkeit des Kindes geben können)
  • EEG, ggf. Befunde von anderen Ärzten (Augen- oder HNO-Ärzte)

Wie lange dauert die gesamte Abklärung?

Um sämtliche diagnostischen Verfahren, die erforderlich sind, durchzuführen, sind mindestens sechs Termine bei uns vorgesehen. Um so flexibler Sie und Ihr Kind in zeitlicher Hinsicht sein können, desto schneller kann die Abklärung abgeschlossen werden. Wenn bereits Ergebnisse aus früheren Untersuchungen vorliegen, die nicht älter als 18 Monate sind, brauchen wir nicht alle Verfahren zu wiederholen. Mit einer Mindestdauer von circa drei Monaten für die Abklärung sollten Sie in jedem Fall rechnen.